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Parking Day

Für eine menschengerechte und umweltfreundliche Stadtplanung

Esslingen, 15.09., Freitag Nachmittag: Teppiche, Liegestühle, Sitzecken auf der Straße – was soll das denn? Die Passanten schauen verwundert, als wir unsere kleine Ruheinsel aufbauen auf einer von zwei Fahrspuren am Roßmarkt in Esslingen. Für die Autofahrer ist es eine Behinderung, und immer wieder kommt es zu Staus, aber sie nehmen den Ausnahmezustand gelassen, wie eine der vielen kleinen Baustellen, an die sie sich im Stadtverkehr längst gewöhnt haben. Die Fußgänger schauen allerdings genauer hin, kommen näher, fragen und lassen sich auf Diskussionen ein über die Verkehrspolitik von heute und die Stadtplanung von morgen.

Im Rahmen des Internationalen Parking Day, der seit etwa zehn Jahren in immer mehr Städten zu Aktionen führt, und der deutschlandweiten Greenpeace-Mobilitätswochen, mit denen wir die unzureichende Verkehrspolitik der Bundesregierung anprangern, besetzen wir ein Stück der Straße, die sonst dem Autoverkehr vorbehalten ist; erobern symbolisch den urbanen Raum zurück, der allen Stadtbewohnern gehört und nicht in erster Linie den Autofahrern.

Darüber, dass viele Städte durch den Individualverkehr nahe an den Kollaps gebracht werden, sind sich alle einig, aber oft kommt dann die Frage: wie soll ich denn zur Arbeit kommen ohne Auto?! Unsere Lösungsvorschläge: massiver Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs, Förderung von Rad(schnell)wegen, Fahrbeschränkungen für private PKWs, Umweltauflagen usw. werden zwar theoretisch für gut befunden, eine praktikable Umsetzung wird aber von vielen angezweifelt. Klar, weniger Lärm, weniger Feinstaub, weniger Gefahren, dafür mehr Platz für die schönen Dinge des Lebens, das wäre schon schön! Aber die Macht der Autolobby (besonders im Raum Stuttgart) und die Untätigkeit der Politiker scheinen den meisten unüberwindbar.

Unsere kleine verkehrsfreie Insel stößt überwiegend auf Zustimmung, und die Leute des Fahrradcorso von „Critical Mass“, die vorbei radeln, schlagen gleich einen gemeinsamen Parking Day im nächsten Jahr vor.

Passend zum Thema und parallel zum „Parking Day“ fordern wir die Passanten auch auf, der Regierung für ihre missratene Verkehrspolitik „was zu husten“: wir sammeln ihre Hustgeräusche, die per Smartphone direkt nach Hamburg geschickt werden, wo sie zu einer monumentalen Hustcollage montiert werden. Die kommende Regierung soll, wie sie auch immer aussehen mag, gleich mit dem Gehuste des ganzen Volkes beschallt werden zum Zeichen dafür, dass wir eine umwelt- und menschenfreundlichere Verkehrspolitik fordern.

Auch diese Aktion kam gut an, aber so manchem dürfte klar geworden sein, dass wir nicht auf die Einsicht der Wirtschaft oder auf politische Entscheidungen warten dürfen. An uns allen liegt es, die Möglichkeiten einer Verkehrswende mitzugestalten und voranzutreiben.

Ulrich