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Schlauchboot-Aktion

mit zwei Eisbären zum Schutz der Arktis

Esslingen, 19.12.2016: Die Esslinger Bahnhofstraße wimmelt von Menschen. Sie kommen aus den verschiedensten Ländern und reden in vielen Sprachen, aber alle streben in eine Richtung: zum Mittelalter-Weihnachtsmarkt. Für so manchen ist unser Greenpeace-Stand auf der Agnesbrücke eher ein Hindernis, doch: „Schau mal! Da, auf dem Wasser! Die zwei Eisbären!“, und die Menschen drängen sich an das Geländer, um das Greenpeace-Schlauchboot zu sehen mit den zwei Eisbären darin. Jeder zückt sein Handy, um ein Selfie mit den Bären zu machen, oder macht ein Foto von dem Boot auf dem Neckararm und der Altstadt im Hintergrund. Und viele gehen die paar Schritte zurück zu unserem Infostand, um etwas über die Hintergründe der Aktion zu erfahren.

Ja, es stimmt, dass Shell seine Pläne vorerst aufgegeben hat, weiterhin in der Arktis nach Öl zu bohren. Zu teuer, zu riskant, und zudem wird der Gegenwind aus vielen Richtungen immer stärker. Spätestens seit dem Klimagipfel in Paris ist allen klar, dass die Energiegewinnung aus fossilen Rohstoffen möglichst schnell der Vergangenheit angehören sollte. Und beim gegenwärtig niedrigen Ölpreis will auch niemand in die hochriskante und unwirtschaftliche Rohölgewinnung in der Arktis investieren.

Ist damit nicht alles gut? Nein, leider nicht. Denn durch das fortschreitende Abschmelzen des arktischen Eises wird auch der Abbau anderer Bodenschätze sowie die Ausweitung der industriellen Fischerei immer attraktiver. Die bisher als „Internationale Gewässer“ deklarierten Gebiete in der Hohen Arktis, die jenseits der 200-Meile-Zone der Anrainerstaaten bisher nicht ausgebeutet werden dürfen, geraten immer mehr in Gefahr, der wirtschaftlichen Gier zum Opfer zu fallen. Zudem versuchen einige der Länder, die ihnen zugestandene Zone auszuweiten, indem sie nachweisen wollen, dass sich der Kontinent, den sie bewohnen, unter Wasser noch weiter erstreckt – und damit auch ihr Anspruch auf eine erweiterte Wirtschaftszone.

Das hätte verheerende Konsequenzen für die Lebewesen in diesen Gebieten, für die Menschen (Inuit und Samen) ebenso wie für Eisbären, Narwale, Polarfüchse, Robben und zahlreiche Vogel- und Fischarten. Deshalb fordert Greenpeace ein sofortiges Moratorium für industrielle Nutzungen in dem Bereich der „Hohen Arktis“, und langfristig ein Meeresschutzgebiet.

Das verstehen auch die Passanten auf der Agnesbrücke in Esslingen, und sie unterbrechen ihren unbeschwerten Ausflug zum Weihnachtsmarkt und lassen sich einen Moment lang begeistern von den beiden Eisbären im Schlauchboot mit ihrer Mahnung „Save the Arctic!“ Viele positive Rückmeldungen, erstaunte und strahlende Gesichter, interessante Gespräche und eine volle Spendenkasse sind unser Lohn.

Ulrich