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Klima oder Kohle?

Bundesweite Aktion gegen den weiteren Ausbau der Kohleenergie.

3005.2015, Esslingen, Bahnhofstraße: Unser kleiner Eisstand mit „Kohle-Eis“ aus Braun- oder Steinkohle fĂ€llt von weitem auf. Die Position der Passanten zum Thema Kohle-Eis ist schnell klar: wer will schon Eis aus Kohle, wenn es nebenan auch Schoko, Erdbeer und Vanille gibt? Beim Thema „Strom aus Kohle“ scheint die Antwort nicht so einfach zu sein, obwohl es auch hier Alternativen gibt. Von einem großen Banner lĂ€chelt Angela Merkel – als Klima- oder als Kohlekanzlerin? Beim G7-Gipfel, der schon bald im bayerischen Schloss Elmau stattfindet, soll sie sich zugunsten des Klimas positionieren, so unsere Forderung und die Forderung von 60 weiteren Greenpeacegruppen in Deutschland, die zeitgleich mit uns fĂŒr eine entschlossene Klimapolitik auf die Straße gehen. Denn die deutsche Regierung lĂ€sst sich zwar gerne als Vorreiterin der Energiewende feiern, verschleppt aber den dringend nötigen Ausstieg aus der Kohle. Mit verheerenden Folgen fĂŒr das Klima, die Umwelt und unsere Gesundheit.

FĂŒr die gleiche Menge Strom stĂ¶ĂŸt ein Kohlekraftwerk dreimal so viel CO2 aus wie ein modernes Gaskraftwerk. Aber nur, wenn der Großteil der verbleibenden fossilen EnergietrĂ€ger im Boden bleibt besteht eine Chance, die gesteckten Klimaziele zu erreichen. Schon 2030 könnte das letzte Braunkohlekraftwerk abgeschaltet werden, und bis 2040 wĂ€re der komplette Ausstieg aus der Kohleverstromung möglich, wenn der Ausbau der Erneuerbaren Energien entschlossener vorangetrieben wĂŒrde. Auf den Strom aus den Kohlekraftwerken ist Deutschland nur in geringem Maße angewiesen; ein großer Teil davon wird ins Ausland verkauft, subventioniert mit Steuergeldern.

Auch was der Abbau von Braunkohle fĂŒr die Umwelt bedeutet ist katastrophal. Im Rheinland, in der Lausitz, im Helmstedter Revier und bei Leipzig wurden und werden ganze Landstriche weggefrĂ€st. Mit 178 Mio. Tonnen Braunkohle im Jahr 2014 ist Deutschland weiterhin Braunkohleweltmeister, und weitere Tagebaue in der Lausitz sind geplant: zehntausende Menschen werden - oft gegen ihren Willen – in seelenlose Retortendörfer umgesiedelt, die Landschaft wird großflĂ€chig zerstört, und zurĂŒck bleiben unfruchtbare WĂŒsten auf Jahrhunderte.

Ein weiteres, sehr unterschĂ€tztes Problem bei der Kohleverstromung sind die frei werdenden Gifte, allen voran Quecksilber. 7000 kg davon gelangen in Deutschland jedes Jahr in die Umwelt, die HĂ€lfte davon aus Braunkohlemeilern. Das Quecksilber entweicht als Gas und verteilt sich weitrĂ€umig. Im Wasser wird das anorganische Element in organisches Methylquecksilber umgewandelt, das mehr als hundertfach giftiger ist als der anorganische Grundstoff. Zudem ist es fettlöslich und wird von Tieren und Menschen nicht abgebaut. Entsprechend steigt die Quecksilberkonzentration innerhalb der Nahrungskette, vor allem bei Fischen und anderen Meerestieren. Im Körper ist Methylquecksilber besonders eine Gefahr fĂŒr Embryonen und fĂŒr unser Gehirn. Bereits geringe Mengen können zu schweren neurologischen SchĂ€digungen fĂŒhren und beeintrĂ€chtigen die Entwicklung von Neugeborenen und Kleinkindern. Geistige Behinderungen, KrampfanfĂ€lle, Seh- und Hörverlust, Sprach- und GedĂ€chtnisstörungen bis hin zu verminderter Intelligenz sind nachgewiesene Folgen.

Viele der Passanten sind spontan bereit, unseren Appell an Sigmar Gabriel und Angela Merkel zu unterschreiben, mit dem schnellstmöglichen Kohleausstieg ernst zu machen und sich fĂŒr konsequenten Klimaschutz einzusetzen. Mit anderen ergeben sich interessante GesprĂ€che, und wenn auch niemand unser „Kohle-Eis“ versuchen wollte, so war die Aktion aus unserer Sicht doch erfolgreich.

Ulrich