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Plastik Tanz

TÜTEN TÖTEN! gemeinsame Straßenaktion
mit den Stage Divers(e) und Freunden


14.03.2014, Esslingen: Die Idee, eine Aktion gegen den gedankenlosen wie umweltschĂ€dlichen Verbrauch von PlastiktĂŒten zu machen, schwebte schon eine Weile in unseren Köpfen; jetzt ergab sich sehr kurzfristig eine Gelegenheit: die Jugend-Theatergruppe „Stage divers(e)" aus Esslingen hatte Besuch von Jugendlichen aus Berlin und von der „AssociaciĂł Esplais Valencians“ aus Spanien, und alle gemeinsam brachten wir das Thema auf die Straße.

In PlastiktĂŒten gehĂŒllt, ein lebendiger PlastiktĂŒtenmĂŒllhaufen, trieb die etwa 20-köpfige Gruppe ihr spontanes, theatralisch improvisiertes Unwesen in der Esslinger FußgĂ€ngerzone. Passanten, die mit einer PlastiktĂŒte unterwegs waren, mussten mit einem lautstarken „Alarm!“ rechnen, wĂ€hrend andere, die Taschen, Körbe oder Stoffbeutel bei sich hatten, Applaus ernteten. Immer wieder froren die Darsteller ihre Bewegungen auf Kommando ein, oder verfielen in "slow motion", und der schier unerschöpfliche Ideenreichtum der Gruppe fĂŒhrte zu immer neuen Konstellationen, Spielen und Szenen. Auch ohne unsere Infos als beteiligte und sie begleitende Greenpeace-Aktivisten war jedem schnell klar, dass der Gebrauch von PlastiktĂŒten ein "no go" darstellt.

Wir Deutschen verbrauchen jĂ€hrlich etwa 5,3 Milliarden PlastiktĂŒten, das sind jede Minute 10.000 StĂŒck, und ~ 90% davon landen nach durchschnittlich 25-minĂŒtiger Nutzung im MĂŒll – oder in der Umwelt.

Der Vorteil der PlastiktĂŒten, sehr haltbar zu sein, entpuppt sich als enormes Problem, sobald die TĂŒten in die Umwelt gelangen. Bis zu ihrer vollstĂ€ndigen Verrottung kann es hunderte von Jahren dauern, und in der Zwischenzeit sind sie eine tödliche Gefahr vor allem fĂŒr Vögel und Meeresbewohner: die Plastikteilchen werden mit Nahrung verwechselt und verstopfen die MĂ€gen der Tiere, die dann qualvoll verenden. Zu Mikropartikeln zerfallene Kunststoffteile werden von vielen Tieren zusammen mit Plankton aufgenommen und fĂŒhren zu schweren SchĂ€digungen bis hin zum Tod. Absinkende Plastikteile beeintrĂ€chtigen das Wachstum von Meerespflanzen und fĂŒhren zur Verdichtung des Meeresbodens. Plastik verunreinigt StrĂ€nde und KĂŒsten weltweit und wird von den Meeresströmungen zu unvorstellbar großen „Teppichen“ zusammengetragen, die rapide anwachsen. Zudem ziehen Plastikpartikel in den Meeren Toxine an, die dann in die Nahrungskette gelangen — mit dem Menschen an der Spitze. Aber auch die Plastikbeutel, die mit dem HausmĂŒll in den MĂŒllverbrennungsanlagen verheizt werden, sind keineswegs ökologisch unbedenklich. Meist bestehen sie aus fossilem Rohöl, verbrauchen also wertvolle Ressourcen. Ihre Herstellung ist sehr energieintensiv, und auch bei ihrer „Entsorgung“ tragen sie dazu bei, unser Klima anzuheizen.

Die meisten Passanten ließen sich von der wilden, z.T. lautstarken Lebensfreude der Gruppe verzaubern und mitreißen, oder verstanden zumindest unser Anliegen: nicht auf Gesetze und Verbote der EU zu warten, sondern selbst die Verantwortung zu ĂŒbernehmen und auf PlastiktĂŒten weitgehend zu verzichten. FĂŒr alle aktiv Beteiligten war dieser „Plastik-Tanz“ ein bereicherndes Erlebnis, und weiteren gemeinsamen Projekten von Greenpeace Esslingen und den „Stage Divers(e)" steht nichts im Wege.

Ulrich