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Ă–l-Aktion

Tiefseebohrungen in Esslingen?

Esslingen, 31.7.2010: Nein, in Esslingen wird es keine Tiefseebohrungen geben! Unsere Aktion am Samstag auf der Inneren Brücke in Esslingen hatte vielmehr zum Ziel, Verkehrsminister Ramsauer (CSU) und Wirtschaftsminister Brüderle (FDP) an ihre Verantwortung zu erinnern, die sie für „unser“ Meer tragen: die Nordsee.

Die Nordsee zählt heute zu den größten Fördergebieten der Offshore-Industrie weltweit. Zur Zeit befinden sich etwa 400 Ölplattformen in der Nordsee. Insgesamt werden jährlich ca. 300 Millionen Tonnen Öl und etwa 100 Milliarden Kubikmeter Gas aus der Nordsee gefördert. Doch Suche, Förderung und Transport von Erdöl bleiben nicht ohne Folgen für das Meer. Die letzten veröffentlichten Zahlen der OSPAR stammen aus dem Jahr 2007: 515 registrierte Unfälle, bei denen 3.907 Tonnen Öl austraten, weitere 9.596 Tonnen wurden beim alltäglichen Förderbetrieb eingeleitet.

Die Öl- und Gasreserven in der relativ flachen Nordsee sind nahezu erschöpft. In der Folge dringen die Ölkonzerne in immer größere Tiefen und arktische Regionen vor. Mit steigender Wassertiefe erhöht sich das Risiko von Unfällen. Besonders risikoreich arbeitet der Konzern BP. Westlich der Shetland-Inseln fördert BP das Öl mit Förderschiffen aus über 400 Metern Wassertiefe. Im Notfall können Taucher jedoch nur bis maximal 200 m tief tauchen. Wie die aktuelle Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zeigt, sind die Risiken der Offshore-Ölförderung besonders in tieferen Gewässern unkalkulierbar.

Deshalb riefen die Aktivisten der Greenpeace-Gruppe und viele Passanten in der Esslinger Fußgängerzone durch ihre Unterschrift die Minister dazu auf, dafür zu sorgen, dass beim nächsten Ministertreffen der OSPAR im September 2010 in Norwegen das Thema „Verbot von Tiefseebohrungen“ auf der Tagesordnung steht. Die OSPAR, zu welcher 15 Länder sowie die EU zählen, ist ein Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks.

Die Bereitschaft der Esslinger, ihre Unterschrift auf ein großes gelbes Banner zu setzen, das zusammen mit den Bannern vieler anderer Greenpeace-Gruppen den Ministern übergeben werden soll, war überwältigend. Zwar gab es auch Passanten, die sagten „dann kann ich ja nicht mehr Auto fahren“, aber die große gelbe Fläche war in kurzer Zeit übersät mit den Unterschriften der Unterstützer.

Greenpeace fordert:
• Weltweit dürfen Staaten keine neuen Lizenzen für Tiefseebohrungen vergeben.
• Alle Ölkonzerne müssen ihre Projekte und Pläne für die Ausbeutung der Ölreserven in der Tiefsee aufgeben.
• Alle bestehenden Öl- und Gasförderanlagen weltweit müssen von unabhängiger Seite auf ihre Sicherheit hin überprüft und gegebenenfalls stillgelegt werden.
• Es muss ein unabhängig verwalteter Ölschadensfonds, gespeist von den Ölkonzernen, eingerichtet werden.

Ulrich